Döbelner Anzeiger vom 19.05.2010
Eine Hommage an die Heimatstadt
Karten aller Art nutzt Matthias Löwe zur Gestaltung seiner Internetseite über Waldheim, die Perle des Zschopautales. Seit fünf Jahren ist sie bereits online und steht seit zwei Jahren auf Platz Eins bei der Google- Suche.
Herr Löwe, wie sind Sie vor fünf Jahren auf die Idee gekommen, eine solche Internetseite aufzubauen?
Ich bin bereits seit 1995 im Internet aktiv. Dort habe ich aber wenig über Waldheim gefunden. Deshalb habe ich am 5. Mai 2005 angefangen, selbst etwas über die Stadt ins Netz zu stellen. Viele Dinge verschwinden in den Archiven und werden nie wieder hervorgeholt. Es wird auch vieles weggeschmissen, weil die Leute nicht wissen, was sie für Schätze besitzen. Die sind dann unwiederbringlich verloren.
Und das wollen Sie verhindern?
Ja. Mein Herz schlägt für Waldheim. Das ist ein wunderschöne Stadt, in dem sehr viel passiert und passiert ist. Es liegt landschaftlich schön, ruhig, abseits und doch nah genug an den Großstädten. Die Internetseite ist eine Hommage an meine Heimatstadt.
Wie kommen Sie zu den alten Waldheimer Ansichten?
Viele Dinge habe ich auf Trödelmärkten gefunden, aus Internetbörsen oder geschenkt bekommen. Auch im Ausland tauchen immer wieder Karten aus Waldheim auf. Die älteste Karte, eine sogenannte Vorläuferansichtskarte von vor 1890, habe ich in Italien gekauft. Aus den USA kommen zum Beispiel Ansichten der Papierfabrik Kübler & Niethammer und dem Kolbedenkmal. Anfangs habe ich auch selbst fotografierte Bilder ins Netz gestellt. Die habe ich inzwischen aber wieder rausgenommen. Seit ich im Waldheimer Fotoklub mitarbeite, habe ich eine andere Sicht auf die Dinge. Man lernt dazu.
Worauf legen Sie bei der Gestaltung der Internetseite Wert?
Ich versuche alles vorzustellen, was es in Waldheim gab und gibt. Dazu gehören Straßenansichten, Häuser, die Innenansichten von Gaststätten historische Fakten und Biografien historischer Persönlichkeiten. Ich möchte zeigen, wie die Stadt früher ausgesehen hat. Dazu eignen sich auch Werbeansichten und Werbekarten. Auf denen sieht man, dass die Motive auch früher schon geschönt wurden. Die häufigste Ansicht ist der Blick vom Eichberg zum Rathaus und der Goldenen Höhe. Obwohl die Motive etwa zur selben Zeit entstanden sind, sind auf den Karten manchmal ein Schornstein und Kabel einer Fabrik zu sehen – manchmal aber auch nicht.
Gibt es Motive, auf die Sie besonders stolz sind?
Zu den Raritäten gehören die Ansichten der Gaststätte „Zur Bleibe“, des Gasthofs Waldheim Richzenhain (GaWaRi) und Originalzeichnungen des Gefängnisses. Dort hat ein Gefangener um 1850 Psalme abgeschrieben und gleichzeitig die Zeichnungen angefertigt.
Gibt es auch ein Motiv, dass Sie schon lange suchen?
Ich suche eine Ansicht der Gaststätte „Zum Siegerturm“. Sie befand sich an der heutigen Ecke Hainichener-/Hohe Straße. Nachfahren der damaligen Besitzer leben heute noch in Waldheim. Aber sie können mir nicht weiter helfen.
Sie beschränken sich bei Ihrer Präsentation nicht nur auf Waldheim, sondern integrieren auch die Gemeinde Kriebstein. Weshalb?
Kriebstein und Kriebethal gehören für mich eng mit Waldheim und seiner Geschichte zusammen – allein durch die Firma Kübler & Niethammer. Albert Niethammer hat viel für Waldheim und für seine Angestellten getan. Das dokumentiert sich unter anderem in Bildern, die er zum Beispiel bei Firmenfeiern und für Mitarbeiter anfertigen ließ, die 25 Jahre im Betrieb waren.
Liegen Ihnen die Motive, die Sie im Internet zeigen, auch im Original vor?
Die meisten. Sie befinden sich in einem Privatarchiv. Für Interessierte, die etwas Spezielles suchen, besteht auch die Möglichkeit, in den Unterlagen nachzuschauen.
Gibt’s Beispiele, wo Sie schon helfen konnten?
Ich konnte Anhaltspunkte bei der Suche nach der Grenze zwischen Waldheim und Richzenhain geben. Die war auf einer alten Karte verzeichnet. Auch das MDR-Fernsehen hat schon drei Mal alte Ansichten aus meinem Archiv abgefilmt. Zwei Mal ging es dabei um die Burg Kriebstein und ein Mal um den Schandfleck GaWaRi. Außerdem habe ich alte Ansichten für das Heft „150 Jahre Sport in Waldheim“ und die Ausstellung „Waldheim in alten Ansichten“ zur Verfügung gestellt.
Sie erweitern die Internetseite ständig. Woran arbeiten Sie derzeit?
An einem Lexikon. Wenn man in alten Schriften liest, fehlt einem oft die Erklärung von Begriffen, die vor 100 oder 200 Jahren üblich waren, aber heute nicht mehr gebräuchlich sind. Manche Straßen haben damals noch nicht existiert. Viele Menschen haben nicht die Möglichkeit, in Archiven zu kramen. Denen möchte ich die Suche erleichtern. Als Quelle nutze ich unter anderen die Bücher des Oberlehrers und Heimatforschers Ernst Eulitz.
Wie oft beschäftigen Sie sich mit der Internetseite?
Fünf bis zehn Stunden im Monat. Vor fünf Jahren habe ich mit etwa 600 Ansichten angefangen. Heute sind es mehr als 1500. Und es wartet noch ein ganzer Korb voll Motive aufs Einscannen.
Brauchen Sie Unterstützung bei Ihren Recherchen zur Waldheimer Geschichte?
Jeder, der Informationen oder Material über Waldheim und die Umgebung hat, kann sich gern über die Internetseite mit mir in Verbindung setzen.
www.perle-des-zschopautales.de.
Es fragte Cathrin Reichelt.


