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Reich, Carl Gottlob

Direktor der Leipziger Taubstummenanstalt

* 17.10.1782 in Waldheim
† 20.04.1852 in Leipzig (?)

Abschrift aus dem Buch: "Waldheimer Heimatfest vom 20.-22.08.1904"

Geboren den 17.10.1782 in Waldheim als Sohn armer, aber sehr frommer Eltern, besuchte er die Stadtschule, hierauf die Kreuzschule, studierte von 1807 an Theologie in Leipzig und wurde 1810 durch eine eigentümliche Fügung Lehrer am Taubstummen- Institut. Mit seinem Freunde Bernstein wohnte er längere Zeit in des Instituts Nähe; die Direktorin, Frau Heinicke, war auf die beiden jungen Männer aufmerksam geworden und fragte eines Tages deren Wirtin, ob wohl einer von beiden geneigt sei, Taubstummenlehrer zu werden. Die Wirtin war für Bernstein; nur wenn dieser ablehnte, sollte Reich gefragt werden. Nun waren aber Bernstein und Reich gerade in den Ferien, und auf der gemeinschaftlichen Rückreise aus dieser wurden Bernsteins Stiefel so defekt, daß er zurückbleiben mußte. Reich kam früher nach Leipzig, ward von seiner Wirtin zu Frau Heinicke gesandt und nahm sofort an. Bernstein erklärte später, daß auch er sich sofort für die Annahme entschieden haben würde. Mit aller Kraft widmete sich nun Reich seinem neuen Berufe, ward 1815 nachdem er zuächst die Magisterwürde der Universität Wittenberge erworben hatte, Mitdirektor der Anstalt, verheiratete sich mit einer Tochter der Frau Heinicke und übernahm 1829 die Leitung der Anstalt allein, die sich einer immer steigenden Berühmtheit erfreute. In Schrift und Wort wirkte Reich für das Wohl der Taubstummen; überall her kam man, um ihn und seine Anstalt kennen zu lernen. Seine Liebenswürdigkeit, sein würdiges, gediegenes und dabei doch anspruchloses Leben wurden allgemein bewundert. Er starb am 20.04.1852. Die Zahl seiner Schüler betrug 346. Sein König widmete ihm den Zivilverdienstorden. Am 17.10.1882 feierten seine Schüler und Schülerinnen begeistert seinen 100. Geburtstag in Leipzig.